Andreas Münz

Brand Juni 2017

Am 25. Juni habe ich den 16. Holzbrand durchgeführt. Der Besatz des Ofens war anders als sonst. Es gab nur ganz hinten einen Stapel mit kleineren Stücken wie Teeschalen und Schüsseln. Direkt davor stand der Bagwall. Dadurch wurde der Raum für Asche- und Gluteffekte sehr groß. Unter den Seitenfeuerungen lagen Vasen auf jeder Seite ansonsten war alles dicht eingesetzt mit stehenden Vasen und Dosen. Die Flammen sollten hier freien Weg haben. Ausserdem wollte ich Glut aus der Feuerung gegen Ende des Brandes in den Brennraum werfen, um Gluteffekte zu erzeugen.

Der Brand verlief ohne Probleme, die Temperatur wurde mühelos erreicht. Beim Übergang von Oxidation zu Reduktion gab es für 10 Minuten Qualm, ansonsten war es wie gewohnt ein rauchloser sauberer Brand.

Irritiert war ich von den Ziehproben. Sie zeigten keinerlei Reduktion an. Und eine neu entwickelte gefärbte Porzellanengobe, die im letzten Brand fast schwarz war, kam zart himmelblau aus dem Ofen. Da lagen die Nerven blank, denn ich hatte von den großen skulpturalen Gefäßen viele damit glasiert. Wären die alle hellblau geworden, hätte ich sie wegwerfen müssen. Ausserdem war eine weisse Engobe, die im letzten Brand eine schöne samtene, fast glänzende Oberfläche hatte, stumpf matt und klinisch weiss, ohne jede Flammenspuren. Ich sah den einzigen Weg darin lange und möglichst hoch zu brennen, um die Stücke zu retten. Ich ließ die Tempertur über Stunden im Bereich um 1300°. Spitzenwert laut Pyrometer war 1340°. 10er, 12er, 13er Kegel waren im gesamten Ofen bereits weggeschmolzen.

Mir war klar, dass die Temperatur die Stücke im hinteren Bereich wahrscheinlich ruinieren würde, aber die großen Teile waren in diesem Fall wichtiger. Ich habe in diesem Brand versucht, Holzkohle durch die Seitenfeuerungsöffnungen einzuwerfen, was nicht so gut funktionierte. An der Methode muss ich noch arbeiten. Die Rutsche aus Blech, die ich benutzte wurde so heiß, daß die Kohlen darauf festklebten und nicht ins Innere rutschten. Mit einer kleinen Schaufel ging es besser. Nach dem weitgehenden Abbrennen habe ich Glut aus der Feuerung mit einer an eine lange Eisenstange montierten Schaufel in den Brennraum geworfen. Dadurch sind sehr schöne Spuren auf den Stücken entstanden.

Nach insgesamt 30 Stunden habe ich alles versiegelt und den Ofen abkühlen lassen. Immer noch mit der Ungewissheit, ob die Hälfte der Stücke in zartem Hellblau den Ofen verlassen würden. 2 qualvolle Tage später zeigte ein erster Blick in den Ofen, daß sich diese Befürchtung nicht bewahrheitet hatte. Ich bin sehr glücklich mit den Resultaten. Für die Zukunft habe ich mir geschworen, nie wieder das Risiko einzugehen eine Glasur ungetestet auf so vielen Stücken anzuwenden. Auch wenn es diesmal gut gegangen ist.